Neues Therapieangebot für stott. Erwachsene in NRW

In Nordrhein-Westfalen gibt es ab sofort ein neues Therapieangebot für stotternde Erwachsene. Das Konzept kombiniert Vorteile verschiedener Therapieformen mit praktischen Vorteilen für die Patienten. Es handelt sich um eine Gruppentherapie nach dem Ansatz der Stottermodifikationen. Bei dieser Therapierichtung wird am Stottern selbst angesetzt. Der Patient erwirbt in der Therapie Techniken, mit denen er in der Lage ist, Blocks zu lösen bzw. diese gar nicht erst auftreten zu lassen, wenn er Stottern vorausahnt. Die Stottermodifikation ist auch unter den Begriffen Van Riper-Therapie oder Nicht-Vermeidungs-Ansatz bekannt.

Im Gegensatz zu diesen Ansätzen wird beim Fluency Shaping ein neues Sprechmuster eingeübt, bei dem kein Stottern auftritt. Dieses Sprechmuster ist meist auffällig und wird in der Therapie schrittweise einem natürlich klingenden Sprechen angeglichen. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen die Wirksamkeit beider Therapierichtungen. Es liegen keine Studien vor, die die Überlegenheit einer der beiden Ansätze stützen würde. Vermutlich profitieren einzelne Personen unterschiedlich von den Richtungen, wobei sich bislang leider nicht vorhersagen lässt, welche Therapie für welche Person den besseren Erfolg bringt. Wir als Vertreter der Stottermodifikation sehen die Vorteile dieses Ansatzes allerdings in folgenden Punkten:

Der Patient muss sein Sprechen nur dann kontrollieren, wenn Stottern auftritt. In dem Fall ist die Aufmerksamkeit aber sowieso auf den Sprechvorgang gerichtet. Die Natürlichkeit des Sprechens bleibt für die flüssigen Anteile erhalten, die bei mittelschwer stotternden Menschen immerhin noch 75 % der Sprechzeit ausmachen. Die Therapie bereitet durch den Erwerb von effektiven Reaktionen auf das Auftreten von Stottern und durch einen gelassenen Umgang mit dem eigenen Stottern auf einen Rückfall vor, der bei allen bekannten Stottertherapien wahrscheinlich ist.

Die Intensiv-Modifikation Stottern (IMS)

Die Intensiv-Modifikation Stottern (IMS), wie wir unser Therapieangebot genannt haben, orientiert sich an an den Therapiekonzepten von Van Riper und des SSMP (Successful Stuttering Managment Program von Breitenfeldt & Lorenz). Die IMS ist als Gruppentherapie mit 8-10 Personen bei 2 Therapeuten konzipiert. Sie findet jeweils ganztags an Wochendtagen statt. Zunächst findet eine 6-monatige Intensivphase statt, bei der etwa zweimal monatlich Therapietage stattfinden und in der die Hauptarbeit der Therapie geleistet wird. In der anschließenden Generalisierungsphase von weiteren 6 Monaten finden vierteljährlich weitere Treffen statt. Dabei steht die sichere Anwendung der Sprechtechniken in allen Lebenssituationen und die Vorbereitung auf Rückfälle im Vordergrund. Die Betreuung in der Aufrechterhaltungsphase von insgesamt 2 Jahren mit halbjährlichen Treffen beschließt die Therapie.

Vorteile der Therapieorganisation

Der Erfolg von Stottertherapien wird häufig dadurch beeinträchtigt, dass diese zu früh beendet werden. Durch die relativ lange abschließende Therapiephase tragen wir dem Rechnung, um einen möglichst stabilen Therapieerfolg zu garantieren. Die Vorteile von Gruppentherapie liegen beispielsweise darin, dass das Gelernte gleich im Gespräch mit mehreren anderen Personen angewendet werden kann. Außerdem können einzelne Patienten als Vorbild dienen und auf diese Weise andere Patienten motivieren. Durch ganze Therapietage bietet die IMS einerseits die Möglichkeit, jeweils sehr intensiv am Stottern zu arbeiten. Andererseits wird durch die mehrwöchigen Abstände zwischen den Therapietagen sichergestellt, dass das Erlernte sofort im Alltag des Patienten angewendet wird. Über den Erfolg einer Therapie entscheidet letztlich das, was der Patient dort, wo er lebt und arbeitet, umsetzen kann.

Daher wird das in der Therapie Erlernte von Anfang an im Alltag umgesetzt, was durch Therapieaufgaben unterstützt wird. Ein großer Vorteil der Therapieorganisation besteht außerdem darin, dass die Therapie berufsbegleitend bzw. begleitend zu einer Ausbildung durchgeführt werden kann, da sie nur an Wochenendtagen stattfindet. Das kommt dem Bedürfnis vieler Patienten entgegen, die nur ungern längere Auszeiten von ihrem Beruf oder ihrer Ausbildung nehmen wollen.

Die Therapeuten

Die Therapie wird von zwei Logopäden durchgeführt. Hartmut Zückner arbeitet seit 1992 als Therapeut und Lehrlogopäde für Stottern im Universitätsklinikum der RWTH Aachen (Ausbildung 1994-1996 im Van Riper-Therapieansatz und 1997 im SSMP, Eastern Washington University). Sabine Kuckenberg ist Logopädin und klinische Linguistin in eigener Praxis. Außerdem unterstützt Ulrich Natke als selbst Stotternder beratend die Durchführung der Therapie. Er ist am Institut für Experimentelle Psychologie der Universität Düsseldorf in Forschung und Lehre mit Schwerpunkt Stottern tätig und innerhalb der IMS für die wissenschaftliche Begleitung der Therapie zuständig, mit der die Therapie laufend auf ihre Wirksamkeit hin überprüft wird.
Diese obligatorische Evaluation mit der Verpflichtung zur Veröffentlichung der Ergebnisse ist ein besonderes Kennzeichen der IMS. Die Therapie wird so der ethischen Verantwortung gegenüber den Patienten gerecht, zu demonstrieren, wie gut die Therapie wirkt.
Die IMS wird in Solingen durchgeführt. Nähere Informationen zur Therapie und aktuelle Termine sind unter der angegebenen Anschrift und im Internet erhältlich.

IMS - Intensiv-Modifikation Stottern
c/o Praxis für Logopädie
Sabine Kuckenberg
Südstr. 30
42697 Solingen
Tel.: 0212-2671580
Fax: 0212-2671589
E-Mail:
ims@stottermodifikation.de
www.stottermodifikation.de