Stottert Ihr Kind wirklich?

Viele Kinder haben eine Phase des unflüssigen Sprechens in ihrer Sprachentwicklung. Dies ist ein vorrübergehender Zustand und ganz normaler Bestandteil der Entwicklung des Kindes, da sich die Fähigkeit zum flüssigen Sprechen erst allmählich entwickelt.
Es ist vollkommen normal, wenn Kinder etwa 5% ihrer Wörter unflüssig sprechen. Anders ausgedrückt: Wenn Kindern etwa 50 von 1000 Wörtern nicht flüssig sprechen, besteht kein Anlaß zur Beunruhigung. Bei Aufregung, Stress oder während der Verwendung von sehr langen Sätzen ist auch eine höhere Anzahl von unflüssig gesprochenen Wörtern als normal anzusehen. Meist bestehen diese normalen Unflüssigkeiten aus ein- oder zweimaligen Wiederholungen von Einschüben wie "äh", einzelnen Wörtern oder Satzteilen wie "Ich ich rufe die die Polizei!".
Es besteht die Gefahr, daß sich aus diesen normalen Sprechunflüssigkeiten ein Stottern entwickeln kann, wenn das Sprechen Ihres Kindes folgende Merkmale aufweist:

- Eine bedeutend höhere prozentuale Anzahl an Wiederholungen in der Sprache,
- die Wiederholung von einzelnen Silben oder Lauten (P-p-p-p-p-polizei),
- prolongieren (=längerziehen) von Lauten (Poooooooliiiizei) oder
- bei einer erhöhten Anzahl von Wiederholungen (Po-po-po-po-po-polizei).
Sie sollten auf jeden Fall den Rat von Fachleuten hinzuziehen, falls Sie folgende Anzeichen bemerken:
- Normale Sprechunflüssigkeiten über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten,
- das Auftreten der o.a. gefährlichen Symptome über einen längeren Zeitraum,
- bei stetiger Steigerung der Symptomatik über einen längeren Zeitraum,
- falls Ihr Kind zunehmend mehr Kraft für das Sprechen aufwenden muß,
- auffällige Körperbewegungen während des Sprechens,
- eine auffällig unkontrollierte Atmung oder
- wenn es Ihrem Kind bewußt wird, daß es Probleme mit dem Sprechen hat.

Was ist Stottern?

Stottern ist eine Redeflußstörung, die folgendermaßen gekennzeichnet sein kann:

1. Teil-Wort Wiederholungen (Po-po-po-polizei)
2. Verlängerungen (Ppppppolizei)
3. Blockierungen (-----Polizei)

Stottern ist häufig von zusätzlichen auffälligen Körperbewegungen begleitet (Gesicht, Hände, etc.) und es tritt in verschiedenen Situationen vollkommen unterschiedlich auf.

Was ist Stottern nicht?


- Stottern ist kein Anzeichen von Schwäche!
- Stottern ist keine ansteckende Krankheit!
- Stottern ist keine schlechte Angewohnheit!
- Stottern ist kein Zeichen minderer Intelligenz!

Was können Sie als Eltern unternehmen?

Wenn Sie etwas unternehmen wollen, wenden Sie sich an eine Therapeutin oder einem Therapeuten, die bzw. der sich möglichst auf Stottern spezialisiert hat. Es kann sehr viel für Ihr Kind unternommen werden!

Aber auch ohne fachlichen Rat können Sie einiges versuchen:

- Versuchen Sie Ihrem Kind die Zeit zu lassen, das zu sagen, was es sagen möchte. Unterbrechen und verbessern Sie Ihr Kind nicht!

- Versuchen Sie sich Zeit zu nehmen, um ruhige Momente des Gesprächsaustausches mit ihrem Kind zu schaffen, auch wenn es dabei unflüssig spricht bzw. stottert.

- Wenn Sie Ihrem Kind eine Frage stellen, tun Sie dies möglichst präzise und einfach. Mehrere Fragen an einem Stück wie "Wie war es heute im Kindergarten? Hast Du auch wirklich Dein Frühstück gegessen? Kommst Du heute mit zum Opa?" sind zu vermeiden.

- Versuchen Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Dinge zu lenken, die Ihr Kind gerne tut und gut kann, um es zu ermutigen. Zwingen Sie dabei aber dem Kind nicht Ihren Willen auf!

- Versuchen Sie Ihr Kind genau so wie andere Kinder zu behandeln!

- Versuchen Sie, dem Kind als Sprechvorbild zu dienen: Sprechen Sie nicht zu schnell, gönnen Sie sich Pausen zwischen den Sätzen und sprechen Sie mit guter Betonung.

- Sprechen Sie Ihr Kind niemals direkt auf das auffällige Sprechen an! Gutgemeinte Ratschläge wie "Sprich langsam!" sind zu unterlassen.