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Kurze Einführung

Das Phänomen Stottern ist seit über zweitausend Jahren bekannt. Forscher und Praktiker versuchen seitdem, den Problembereich theoretisch zu klären und therapeutische Hilfen bereitzustellen.

Noch vor einigen Jahren vertraten einige Autoren die These, daß Stottern eine rätselhafte Redestörung sei. Die Formulierung einer solchen These übersieht, daß sich im Laufe der Jahrhunderte ein reiches Wissen über das Phänomen Stottern gebildet hat. Auch die aktuelle Forschung, deren Entwicklung der letzten Jahre gekennzeichnet ist von einer integrativen Sichtweise der unterschiedlichsten Forschungsergebnisse, hat gezeigt, daß das Stottern nicht rätselhaft ist, sondern daß dieses Phänomen durchaus systematisch beschrieben werden kann. Es konnte ein umfangreiches Grundwissen zur Phänomenologie des Stotterns entstehen, das besonders im Hinblick auf Symptomatik, Entstehung und Entwicklungsverlauf des Stotterns innerhalb der Forschung einen breiten Konsens findet.
Wissenschaftliche Bestrebungen, die Ursachen des Stotterns zu ergründen, finden bis heute noch keinen Konsens. Es sind neben rein psychologischen Erklärungsversuchen inzwischen auch neuropsychologische und neuropsychologisch-neurophysiologische Erklärungsansätze entwickelt worden.
Im Gegensatz zu dem umfangreichen Grundwissen zum Phänomen des Stotterns und den genannten Erklärungsversuchen, stehen diesen eine Fülle unterschiedlichster Therapieformen zur Behandlung des Stotterns gegenüber.
An dieser Stelle wird im Hinblick auf die Stottertherapie ein Problem deutlich, das tragischerweise besonders in der Praxis auftritt und dort Verwirrung stiftet:

Therapeuten und ganz besonders Patienten stehen den unterschiedlichsten Therapieformen orientierungslos gegenüber.
Darüber hinaus gibt es sogar unterschiedliche Ansichten über die "Heilbarkeit" des Stotterns. Auch das sogenannte "Heilen" des Stotterns führt besonders bei den Patienten zu unnötigen Mißverständnissen. Zweckmäßiger ist es, bei der Stottertherapie vom "Erfolg" einer Therapie zu sprechen, und nicht von einer "Heilung", da der Patient mit diesem Begriff eine "Stotterfreiheit" assoziiert, die eine völlige Wiederherstellung des Gesundheitszustandes bedeutet und der Patient sich erhofft, völlig steuerungsfrei sprechen zu lernen. Freilich hat der Begriff Heilung im Zusammenhang mit Stottern seine Berechtigung, sofern er im engeren Sinne von weitgehender Sypmtomfreiheit und nicht im Sinne völliger Steuerungsfreiheit verwendet wird.
An dieser Stelle kann der alte Streit der Begrifflichkeiten nicht ausdiskutiert werden, müßte hier dann doch auch noch die Frage geklärt werden, ob wenigstens sogenannte Normalsprechende in der Lage sind, steuerungsfrei bzw. symptomfrei zu sprechen. Um die genannten Mißverständnisse zu vermeiden, soll innerhalb dieser WWW-Seiten jedoch der Begriff Heilung, auch wenn er im engeren Sinne gemeint ist, nicht mehr verwendet werden.
Im übrigen ist der Erfolg der Therapie auch bei einer Restsymptomatik kein Grund zur "Resignation, sondern zur Hoffnung", da das Stottern bis zur sozialen Unauffälligkeit hin veränderbar bleibt und der Stotternde in der Therapie eine Entwicklung hin zum Sprechen machen kann, die für den Stotternden der Weg zur Freiheit sein kann.

Die Diskrepanz zwischen den unterschiedlichen Ansichten über die Heilbarkeit des Stotterns und der gegenwärtigen Therapiesituation bedarf nun einer genaueren Betrachtung. Deshalb soll es u.a. Ziel dieser WWW-Seiten sein, eine bessere Orientierung innerhalb verschiedener Therapien zur Behandlung des Stotterns zu schaffen.